WOHNQUALITÄT ERSTE REIHE FUSSFREI

Dietmar Koch

Für die Aufgabenstellung beim Projekt "the golden ribbons" oder "die goldene Welle" ist Passivhausqualität die logische Ergänzung zum Entwurf. Die besondere Qualität der Liegenschaft liegt in der "ersten Reihe fußfrei" mit Ausblick in die grünen Murauen und von den oberen Geschossen aus in Richtung Grazer Schlossberg und Uhrturm. Durch die gute Fensterqualität (auch in Bezug auf die Schalldämmung!) und das Faktum, dass man durch die vorhandene automatische Lüftungsanlage auch bei Schlafräumen die Fenster zum Lüften nicht öffnen muss, können auch Schlafräume straßenseitig zum grünen Ausblick orientiert werden. Die Wohnqualität leidet nicht darunter - im Gegenteil: durch diese Qualität werden Nutzungsmöglichkeiten frei, welche anderen Gebäuden nicht gegeben sind. Von den Bauherren, engagierten Bauträgern mit einem klaren Zug zu Qualität und verantwortungsbewusstem Bauen, war die energieeffiziente und nachhaltige Passivhausbauweise gewünschte Planungsbasis.

BARRIEREFREI WOHNEN

Gleichzeitig sollte das Gebäude markant und präsent werden. Angesichts eines sehr klaren und einfachen Bebauungsplanes war die Baukörperstellung definiert. Das gewählte Spiel mit den Balkonbändern, welche die Parapethebenen des benachbarten Bürogebäudes weiterführen und dies über die Geschosse unregelmäßig zueinander versetzt, bewirkt mit einfachen Mitteln eine lebendige Fassadenstruktur. Über weitestgehend durchlaufende Fensterbänder wird der Grünraum der Mur-Auen in die Wohnungen geholt, bei gleichzeitiger Nicht-Einsehbarkeit der Wohnungen. Die goldene Farbe für die Balkonbänder leitet sich von gebauten Architekturbeispielen am Lendkai/Grieskai ab und könnte mit dazu führen, dass diese Kais sich in eine "golden lane" wandeln. Auch soll die Farbe demonstrieren, dass hier eine außergewöhnliche Gebäudequalität vorliegt. Das statische System ermöglicht eine hohe Flexibilität in der Grundrissgestaltung und Wohnungsanordnung. Die geräumigen Penthousewohnungen stellen mit den großen Terrassen eine innerstädtische Qualität für sich dar. Natürlich wurden auch die zeitgemäßen Anforderungen an die Barrierefreiheit erfüllt, sodass alle Wohnungen barrierefrei erreichbar sind, sowohl von der Garage aus als auch von den Eingängen im Erdgeschoss - eine Erleichterung für "alle" Menschen! Auch die Balkone und Terrassen sind stufenlos erreichbar geplant, was im Dachterrassenbereich durch den Einsatz von hocheffizienten Vakuumisolationspa- neelen ermöglicht wird. Die Nutzung von solarer Energie soll sowohl in der Warmwasserbereitung als auch in der Stromerzeugung erfolgen - im innerstädtischen Bauen wohl ein positiver Prototyp.

ERSTE REIHE FUSSFREI

Es reicht heute längst nicht mehr, als Architekt  „hübsche“ Gebäude zu planen. Neben der erforderlichen Funktionalität wird immer stärker auch die Erfüllung von hoher Energieeffizienz und Nachhaltigkeit, Wertbeständigkeit, ökologischer Verträglichkeit und geringen Betriebskosten gefordert. Längst gibt es für diese Qualitäten einen allseits bekannten Namen – das Passivhaus.

MINIMIERTER ENERGIEEINSATZ UND HÖCHSTE WOHNQUALITÄT

Sowohl in der Errichtung, in der Ausstattung als auch im Betrieb des Gebäudes wird auf minimierten Energieeinsatz geachtet. Die hervorragende Rundumdämmung der Gebäude und die Ausstattung mit hochqualitativen 3-Scheiben-Fenstern verringern die Energieverluste über die Gebäudehülle auf ein Minimum und erhöhen gleichzeitig die Wohnqualität. Die Lüftungsanlage mit hochwertiger Wärmerückgewinnung erspart im Winter die Energieverluste des Fensterlüftens – wobei man natürlich auch im Winter die Fenster öffnen kann, aber eben nicht muss! Wer hat im Winter schon die Fenster offen, außer um zu lüften. Die Lüftungsanlage bewirkt aber auch eine wesentliche Wohnkomfortsteigerung: die Filter ermöglichen allergikertaugliche Wohnräume bei bester Luftqualität. Nebenbei werden Schadstoffe, Kohlendioxyd, Rauch, Formaldehyde etc. kontinuierlich abgeführt und eine gleichbleibend gute Luftqualität gewährleistet. Bauliche Qualitäten wie eine erhöhte Luftdichtheit, also weniger Leckagen in der Gebäudehülle sowie Wärmebrückenfreiheit bei den Bauteilanschlüssen optimieren die Energieeffizienz.

QUALITÄT: HEUTE FÜR MORGEN

Längst ist es in das Bewusstsein der Eigentümer getreten, dass sich ein Gebäude über viele Jahrzehnte bewähren muss. Grundsätzliche Gebäudequalitäten, welche nicht gleich bei der Errichtung der Gebäude berücksichtigt wurden, sind  nachträglich kaum oder nur unter schwierigen Umständen und mit hohen Kosten verbunden umsetzbar. Damit die Wohnung, die man heute kauft, morgen nicht schon von gestern ist, sollte man darauf achten, dass sie in Passivhausqualität ausgeführt ist!


DI Dietmar Koch